Letzte Woche Sonntag bin ich mit dem Team und zwei Gastfahrern mit dem Rennrad unterwegs gewesen und haben anlässlich von Paris – Roubaix eine Tour unternommen. Als Strecke dazu passt wunderbar die Strecke, die sich Arne Schiereck vor einigen Jahren mal für eine Veranstaltung überlegt hatte, die über zahlreiche Kopfsteinpflasterpassagen in der Gegend führt. Leider kam der Veranstaltung damals Corona in die Quere und die Idee wurde nicht weiter verfolgt. Wir haben die Strecke mittlerweile etwas geändert (mehr Kopfsteinpflaster) und rennradtauglich (weniger sandige Waldwege) gelegt. Insgesamt sollten es sehr holprige 88 Kilometer werden. Aber nicht an diesem Tag.
Nach etwa 55 Kilometern ging es auf den Kreisel bei Großburgwedel zu, an dem wir rechts Richtung Isernhagen abbiegen wollten. Die Zufahrt auf den Kreisel ist meine letzte Erinnerung. Den Informationen zur Folge, die ich von den anderen bekommen habe, muss mir im Kreisel mein Vorderreifen geplatzt sein und sofort die Luft verloren haben. Dadurch habe ich wohl in der Kurvenfahrt die Kontrolle verloren und es ging sofort nach unten Richtung Asphalt, wo ich mit dem Kopf aufschlug und bewusstlos liegen blieb. Das war natürlich erstmal ein Schock für die anderen. Aber zum Glück war eine der Gastfahrerinnen Intensivschwester und es hielt zusätzlich noch ein Chefarzt vom Klinikum Wolfenbüttel. Ich war also in guten Händen. Erfreulicherweise haben in der Zeit ganz viele Autofahrer gehalten und haben gefragt, ob sie helfen könnten. Es freut mich, dass die Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft nach wie vor gegebenen ist. Nach etwa 20 Minuten sollte ich wieder zu Bewusstsein kommen und musste nicht mehr lange auf dem Boden liegen, bis der Rettungswagen eintraf und mich ins nahegelegene Krankenhaus brachte.
Im Krankenhaus selbst wurde ein CT von meinem Kopf gemacht und meine Hand, an der ich über Schmerzen klagte, geröntgt. Beides blieb glücklicherweise ohne Befund. Ich war letztendlich mit leichten Kopfschmerzen, ein paar Prellungen und Hautabschürfungen davon gekommen. Die Hautabschürfungen verheilen soweit ganz gut und auch die Prellungen behindern mich nicht allzu sehr. An eine Rückkehr auf das Fahrrad ist im Moment aber noch nicht zu denken, da ich mit der rechten Hand zwar locker greifen kann, mir aber noch nicht zutraue, den Lenker fest im Griff zu haben. Ich hoffe, dass das bis den 24h um den Brelinger Berg wieder funktioniert.
Welche Folgen ziehe ich nun aus dem Unfall? Folgende drei Maßnahmen habe ich daraus abgeleitet, die ich gerne in naher Zukunft umsetzen möchte.
- Zum einen hat es nur mäßig gut funktioniert, meine Lebensgefährtin zu informieren, da niemand ihre Telefonnummer hatte. Mit meinem Daumen und meinem Smartphone hat es dann aber geklappt. Es kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass jeder immer sein Smartphone beim Training oder bei den Ausfahrten dabei hat. Von daher werden wir eine für jeden von uns jederzeit zugängliche Telefonliste einführen, wo zu jedem eine oder mehrere Telefonnummern hinterlegt werden können, die im Notfall zu informieren sind
- Es hat sich gezeigt, dass es nützlich ist, ein kleines Erste Hilfe-Set dabei zu haben. Wir können nicht davon ausgehen, dass bei einem Unfall immer gleich ein Autofahrer hält und uns seinen Verbandkasten anbietet (gerade wenn der Unfall mitten in der Pampa passiert). Für unsere CTF und RTF hatten wir vor einigen Jahren mal welche besorgt, die aber im Laufe der Zeit verschwunden sind. Hier habe ich bereits einige als Ersatz beschafft. Mindestens eines sollte bei jeder Ausfahrt zukünftig dabei sein. Zusätzlich habe ich in meiner Satteltasche ab jetzt auch eine Rettungsdecke dabei, die sich als goldwert erwiesen hat.
- Als letzten Punkt werde ich Wert auf eine Auffrischung der Erste Hilfe-Fähigkeiten der einzelnen legen. Jeder von uns hat bei seiner Führerschein-Ausbildung einen Erste Hilfe-Kurs belegen müssen. Bei vielen ist dies aber auch schon Jahrzehnte her und einiges mag in Vergessenheit geraten sein. Auch haben viele Angst davor, etwas Falsches zu tun und im Nachhinein dafür belangt zu werden. Nein, das werdet Ihr nicht! Ziel der Auffrischung sollte sein, jedem die Angst vor dem Helfen zu nehmen und ihn oder sie dazu befähigen, die richtigen Maßnahmen einzuleiten.
Ich möchte diese Maßnahmen bitte nicht als Kritik an den Handlungen der bei meinem Unfall Beteiligten wissen. Die haben alles getan, was sie konnten. Vielmehr möchte ich, dass das Helfen in solchen oder ähnlichen Situationen einfacher und schneller funktioniert.
Die wichtigste Info zum Schluss: Meinen Rennrad geht’s gut. Außer dem erwähnten platten Reifen ist ihm nichts weiter passiert.


